ich möchte heute den Ciliaten Dexiotricha granulosa vorstellen, der sehr häufig ist, von dem aber nur wenige brauchbare Fotos existieren. Woran liegt das? Zum einen ist Dexiotricha granulosa mit 60 - 80 µm Länge nicht besonders groß. Das macht ihn für viele Mikrofotografen nicht besonders attraktiv. Zum anderen erscheint er besonders im Hellfeld fast undurchsichtig schwarz und besitzt auch noch eine leichte Deckglasempfindlichkeit. Bei Versuchen, ihn mit dem Deckglas etwas zu pressen, wirft er sofort die Cilien ab. Trotzdem lohnt sich eine genauere Untersuchung, denn Dexiotricha granulosa wartet mit einer Besonderheit unter den Ciliaten auf. Hier Aufnahmen der Ventralseite in drei Fokusebenen:



KV = kontraktile Vakuole
FP = Frontalplatte
CC = Caudalcilie
RG = ringförmiges Granula
MO = Mundöffnung
Man erkennt schon in diesen ungepressten Exemplaren die besondere Form der Vorratskörper dieser Art. Es handelt sich um ringförmige Glykogen-Körper mit einem Durchmesser von 2 - 2,5 µm. Die meisten Exemplare sind voll davon und machen die Untersuchung des Innenlebens schwierig. Auch die Mundöffnung zeigt sich nur kurz, da Dexiotricha unter zunehmenden Deckglasdruck beginnt um die Längsachse zu rotieren und dann meist auf der linken oder rechten Seite zum liegen kommt. Man muss also versuchen die Mundöffnung bei einem frei schwimmenden Exemplar zu erwischen, wie in obigen Foto zu sehen. Die ein wenig dreieckig geformete Mundöffnung ist von einer undulierenden Membran umgeben und in ihr stehen 3 adorale Membranellen, welche die eingefangene Nahrung (Bakterien) in die Mundöffnung befördern. Diese Strukturen sind jedoch nur mit Silberimprägnierung sichtbar.
Auf der dorsalen Seite von Dexiotricha granulosa werden drei quer verlaufenden Wimpernreihen sichtbar, die sehr typisch sind für diese Art:

FWR = frontale Wimpernreihen
CC = Caudalcilie
KV = kontraktile Vakuole
Setzt nun der Deckglasdruck ein, wird das ringförmige Granula deutlicher sichtbar, was einen interessanten Eindruck ergibt. Meist ist der gesamte Ciliat damit ausgefüllt, aber bei etwas "unterernährten" Exemplaren auch nur die vordere Hälfte, wie im folgenden Exemplar. Erst im gequetschten Exemplar werden die Extrusomen sichtbar, welche über den ganzen Körper verteilt sind, in diesem Fall aber besser im Hinterende zu erkennen sind, da sie nicht von dem Granula verdeckt werden:

VK = ringförmige Vorratskörper
EX = Extrusomen
Ma = Makronukleus
Viele Tümpler haben Dexiotricha granulosa sicher in ihren Proben, konnten ihn viellicht bisher aber nicht identifizieren. Ich hoffe, dass dieser Beitrag da etwas Unterstützung bietet.
Viel Spass beim anschauen!
Martin