In den letzten Tagen habe ich mich intensiver mit einem hypotrichen Ciliaten befasst, den ich in großer Anzahl in älteren Proben aus einem Hochmoor gefunden habe. Ich halte die Art aufgrund der Form des Zellumrisses, der Ausdehnung der adoralen Membranellenzone, der Lage und Funktionsweise der kontraktilen Vakuole sowie der Zahl und Anordnung der Cirrenreihen für einen Vertreter der Gattung Holosticha, möglicherweise H. monilata. Die Fotografie dieser raschen und sich ruckartig bewegenden Art war ziemlich schwierig. Bei zu reichlicher Wasserschicht unter dem Deckglas bewegte sich der Ciliat zu stark; bei zu geringer Stärke der Wasserschicht legten sich die bauchseitigen Cirrenbänder flach an den Zellkörer, so dass sie kaum noch erkennbar waren. Daher blieben für ein gutes Foto des typischen Erscheinungsbildes im lebenden Zustand nur kurze Zeiträume. Alle Aufnahmen habe ich am Olympus BH-2, geblitzt mit Jürgen Stahlschmidts Würfel auf der Lichtaustrittsöffnung, aufgenommen, im Hellfeld mit dem Olympus SPlan Apo 20/0,70, die Phasenkontrastaufnahme mit dem SPlan 40/0,70.
Holosticha cf. monilata ist schlank, am hinteren Zellpol abgerundet und zeigt eine adorale Membranellenzone von knapp 1/3 der Gesamtlänge der Zelle. Bei genauer Beobachtung erkennt man eine linke und eine rechte Reihe Marginalcirren (lMc, rMc) sowie eine doppelte Reihe Submediancirren (Smc). Der Ciliat ist reichlich mit Nahrungsvakuolen (Nv) und partikulären Einschlüssen gefüllt und daher im nicht gepressten Zustand weitgehend undurchsichtig.

Die folgenden Detailaufnahmen zeigen die adorale Membranellenzone (adMz), die mit Dreiecken markierten Cirrenbänder, den Caudalzirren-Schopf (Cdc), die Transversalzirren-Gruppe (Trc) sowie die Frontalcirren.

Bemerkenswert und offenbar arttypisch (siehe Foissner, Ciliaten des Saprobiensystems, Bd. 1) ist die Form des Anschwellens der kontraktilen Vakuole (kV). Die folgende Sequenz zeigt einen typischen Ablauf und umfasst ca. 30 Sekunden. Unmittelbar nach der Kontraktion ist die Vakuole sehr klein, und es bilden sich nach frontal und caudal sich erstreckende Spalträume in der Zelle (Dreiecke). Diese Spalträume werden kontinuierlich kürzer, während der Zentralteil der kontraktilen Vakuole anschwillt. Ab einem gewissen Punkt sind die Spalträume verschwunden, die kontraktile Vakuole rundet sich ab und entleert ihren Inhalt durch rasche Kontraktion.

Im gepressten Zustand lassen sich die Kernverhältnisse beurteilen. Der Makronukleus (Man) setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, die in keinem direkten Kontakt zu stehen scheinen. Möglicherweise ist dies aber auch ein Artefakt, bedingt durch die starke Pressung. Die Mikronuklei (Min, Dreiecke) sind oval und liegen einzeln im Cytoplasma.

Viele Grüße
Ole
