heute möchte ich hier im Forum den Ciliaten Thylakidium pituitosum vorgestellen. Dieser Ciliat ist Bursaria verwandt und gehört zu den Colpodea. Er ist in meinen Proben aus dem Simmelried überaus häufig in den aufschwimmenden Algenmatten. Interessanter Weise wurde dieser recht auffällige Ciliat erst 1980 von Foissner beschriebens, der ihn am Großklockner bei Wallackhaus fand (der sogenannte locus classicus):

Thylakidium baut sich schwer sichtbare Schleimhüllen, in denen er sich nur langsam hin und her bewegt. Diese werden bei Deckglasdruck jedoch sofort verlassen und dann schwimmt Thalykidium recht flott durch die Probe. Er ernährt sich von eingestrudelten Flagellaten, kleinen Desmidiaceen und wahrscheinlich auch Bakterien. Für den Anfänger sieht er auf den ersten Blick wie Paramecium bursaria aus, weil er Zoochlorellen und eine ähnliche Größe besitzt (ca. 100 µm). Die Mundöffnung ist jedoch völlig anders aufgebaut. Sie ist apikal gelegen und besitzt eine ventrale, tiefe Einbuchtung, wie bei Bursaria truncatella. Es ist nicht so leicht diese Einbuchtung fotografisch festzuhalten, da Thylakidium pituitosum sich beim schwimmen ständig dreht und auch den Kontakt zum Deckglas nicht so richtig mag:


MO = Mundöffnung
Fokussiert man in das Zellinnere, erkennt man die adorale Membranellenzone, welche sich spiralig im Mundtrichter zur Zellmitte hin bewegt, wo die aufgenommene Nahrung dann in eine Nahrungsvakuole eingestrudelt wird:


AZM = adorale Membranellenzone
Die Form ader Mundöffnung kann man vielleicht besser verstehen, wenn man noch die apikale Ansicht des Ciliaten betrachtet:

Hier erkennt man sehr gut, wie das „Schlundrohr“ nicht vollständig geschlossen ist und der ventrale Spalt zu sehen ist.
Den runden Makronukleus und den angelagerten, ovalen Mikronukleus erkennt man erst im gequetschten Exemplar:

Ma = Makronukleus
Mi = Mikronukleus
ZO = Zoochlorellen
Die runden Zoochlorellen scheinen vom Chlorella Typ zu sein, aber ohne Genanalyse ist das schwer zu entscheiden.
Da das Simmelried leicht saures Wasser aufweist (meistens pH 5-6), kann ich mir auch gut vorstellen, dass diese Art in Mooren heimisch ist. Die nachweise scheinen generell aber nicht sehr häufig zu sein. Im Internet findet man verschiedene Fotos und Videos, die aber wegen der schlechten Qualität keine Zuordnung zulassen oder Bryometopus viridis zeigen. Es wäre also interessant, ob Forumsmitglieder und -leser die Art schon einmal gesehen haben.
Viel Spass beim anschauen!
Martin

